In Argentinien, dem Vaterland Alfonso Masi-Elizaldes, wurde die Homöopathie zum erstenmal im Jahre 1812 angewandt, also lediglich zwei Jahre nach Erscheinen des Organon (dem Grundlagewerk Samuel Hahnemanns). General San Martin, der Befreier Argentiniens, brachte eine homöopathische Reiseapotheke aus Europa mit und benutzte sie während seinen Feldzügen.



Alfonso Masi-Elizalde wurde am 23. Oktober 1932 in Buenos Aires geboren und war Sohn des Dr. Jorge Augusto Masi-Elizalde. Dieser war ein homöopathischer Arzt Kentscher-Schule und (mit den Dres. T. T. Paschero, A. Grosso, C.M. Fisch u.a.) Begründer der Asociation Medica Homoeopathica Argentina.
Nach dem Besuch einer deutschen Grundschule in Buenos Aires war Masi Schüler des Gymnasiums eines Jesuitenkollegs. Schon in seiner Kindheit war er mit der heilenden Wirkung homöopathischer Arzneien vertraut. Sein Einstieg in die Homöopathie war dem entsprechend früh. Durch die spätere Übernahme der väterlichen Praxis konnte er viele Patienten über einen sehr langen Zeitraum begleiten und Fallverläufe beobachten, die ein ganzes Leben lang nur ein einziges Medikament benötigten. Bei der Entwicklung seiner Theorien griff er immer wieder auf dieses reiche Erfahrungsgut zurück. Er hat sich ausführlich mit den Schriften aller wichtigen Praktiker und Theoretiker der Homöopathie befasst und auch alle Schriften Hahnemanns gründlich studiert – auf der Suche nach dem, was er die Orthodoxie der Homöopathie nennt.
Er war Gründer und Direktor des Instituto Internacional D’Altos Estudios Homoeopathicos James Tyler Kent.

Dr. Alfonso Masi-Elizalde starb am 23. Juli 2003 im Alter von 70 Jahren.





Ausgangslage und Entwicklung einer Revision der homöopathischen Lehre


Die Homöopathen akzeptieren das Gesetz der Ähnlichkeiten und die hohen Verdünnungen – das ist aber auch das Einzige was sie verbindet. In bezug auf Konzepte und Techniken besteht ein Chaos in der Homöopathie, so dass es letztlich für jeden Homöopathen eine eigene Homöopathie gibt.
Jede unterschiedliche homöopathische Richtung belegt ihre Position mit Zitaten Hahnemanns.

Wie es möglich ist, dass ein einziger Gedanke derart unterschiedlich interpretiert werden kann – das beeindruckte Masi tief.

Dabei waren allen Homöopathen, gleich welcher Richtung, in grossen Zeitabständen eine Heilung gelungen, welche sie veröffentlichten und welche in ihrer Entwicklung tatsächlich mehr brachte als der Arzt von diesem Arzneimittel erwartet hatte. Das heisst, man verschrieb für ein bestimmtes Krankheitsbild und stellte überrascht fest, dass nicht nur das Krankheitsbild geheilt wurde, sondern der Genesene einen Wechsel in seiner existentiellen Haltung entwickelte.

Die ausserordentlichen Ergebnisse, das mögliche Erreichen des unvorhergesehenen therapeutischen Zieles, müssten sich eines Tages auf alle Patienten ausweiten lassen – so das Bestreben Masis. Und er wollte den Grund erkennen können, warum eine Heilung nicht öfter eintrat. Er nannte diese Art der ganzheitlichen Genesung einen Quantensprung in der Entwicklung des Menschen.

Das Chaos in der Homöopathie begann in dem Moment, in dem Hahnemann die Psora als eigentliches Objekt der Therapie entdeckte. Es ging ihm nicht mehr um Symptombehandlung, sondern es galt, die von ihm als Urheberin der verschiedenen Krankheitsbilder angesehene Ursache zu behandeln. Dadurch verwandelten sich die Krankheiten lediglich in Erscheinungsbilder einer weitaus tiefer liegenden Störung, der sogenannten Psora.
Die unterschiedlichen Ansichten in bezug auf das Wesen der Psora begründen sich bei Hahnemann selber. Er blieb in der Darlegung seiner Forschungen oft vage und gar widersprüchlich. So erstaunt es nicht, wenn seine begabtesten Schüler sich auf verschiedenen Wegen wieder fanden, auch wenn sie sich auf ihn beriefen.

Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Seele und dem Wesen des Menschen. Masi suchte also einen Weg, die Seele zu untersuchen und zu verstehen. In der Psychologie gibt es, wie in der Homöopathie, ein Chaos – für welche Lehre sollte er sich also entscheiden?

Er fand eine Psychologie, welche weder zurückgewiesen noch widerlegt wurde, die logisch, schlüssig und weiterhin gültig ist, obwohl sie lange Zeit nicht angesehen war. Es war die Anthropologie der Scholastik, welche ihn zwang, sich mit Thomas von Aquin zu beschäftigen.
Dabei betonte er immer, dass nicht die Religion des Thomas von Aquin von Bedeutung sei, sondern sein philosophisches und anthropologisches Konzept, welches ihm für die Homöopathie wichtig und dienlich erschien. (Nichts desto trotz wurde Masis Richtung immer im Zusammenhang mit religiösen Aspekten angesehen).
In der Anthropologie des Thomas von Aquin fand er Klärung und Übereinstimmung zum Gedankengut Hahnemanns.

Von essenzieller Bedeutung war es ihm, klar zu stellen, dass die Primäre Psora endogen und angeboren ist. Davon ausgehend entwickelte Masi seine Revision, deren Gewinn unter anderem die Erkenntnis eines dynamischen Prozesses zwischen den „herkömmlichen“ Miasmen – Psora, Sykosis, und Syphilis ist. (Siehe Methodik)

z.T. Zusammengefasste Auszüge aus „Alfonso Masi-Elizalde, Überarbeitung der Lehre, Materia Medica und Technik der Homöopathie“ von
Dr. Stefan Preis
zu beziehen bei www.irl.de




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