Eine grundlegende Erkenntnis, welche Samuel Hahnemann zur Entwicklung der Homöopathie befähigte, war wohl seine Definition der Lebenskraft.

“Im gesunden Zustand des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Organismus belebende Lebenskraft unumschränkt. In bewundernswürdig harmonischem Lebensgang hält sie alle Teile, seine Gefühle und Tätigkeiten aufrecht, so dass der in uns wohnende vernünftige Geist sich dieses lebendigen und gesunden Werkzeugs frei zum höheren Zwecke unseres Daseins bedienen kann.“ Organon § 9

Hahnemann betont damit, dass es im Menschen eine geistige Kraft gibt, welche ihn im Gleichgewicht hält, eine Art "Software-Programm", das die Lebensvorgänge ausgleicht und regelt.

Auf eine Verstimmung dieser Lebenskraft, z.B. durch zu wenig Schlaf, Überanstrengung, dauernden Ärger oder Kummer reagieren wir mit ausgleichenden Mechanismen wie Müdigkeit, Adrenalinstössen, Tränenausbrüchen, usw. Werden diese Reaktionen über längere Zeit nicht beachtet, wird die Lebenskraft geschwächt. In der Folge kann sich eine Krankheit entwickeln.

Dies ist nur eines von verschiedenen Denkmodellen, die es in allen medizinischen Zweigen gibt. Auch in der Homöopathie kann kein Mensch definitiv erklären, warum und wie jemand erkrankt!

Die entstehenden Symptome repräsentieren die Verstimmung der Lebenskraft. Ziel der Therapie ist es deshalb, nicht nur die einzelnen Symptome zu behandeln, sondern die Lebenskraft zu regulieren. Die homöopathische Behandlung richtet sich nicht gegen eine bestimmte Krankheit, sondern versucht, die Selbstheilungskräfte des Menschen anzuregen.

Wer nur Symptome beseitigt, handelt als ob er das Öl-Warnlämpchen im Auto abschalten würde – es blinkt zwar nichts mehr, aber das Grundproblem ist damit nicht behoben.

Die Wirkungsweise der Homöopathie erklärt Hahnemann wie folgt:
Wird die verstimmte Lebenskraft von der stärkeren, künstlichen Krankheitsaffektion beschäftigt, verliert die eigentliche Krankheit ihre Macht und lässt den Kranken frei und genesen zurück.

Die stärkere, künstliche Krankheitsaffektion meint hier diejenige, welche durch eine nach dem Ähnlichkeitsprinzip gewählte Arznei in den Organismus eingebracht wird. Sie überlagert quasi die eigentliche Krankheit einen Moment lang, es werden neue Abwehrkräfte mobilisiert, so dass Genesung eintreten kann.
Diese Überlagerung kann zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik führen, was manchmal ein positives Zeichen für ein gut gewähltes, dem Krankheitsbild ähnliches Mittel ist.




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