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Es freut uns sehr, dass wir bereits nach zweieinhalb Jahren Band 3 der Revidierten Materia Medica veröffentlichen können. Nebst einer Reihe kleiner, von ihrem "Mind-Anteil" her eher unbekannter Mittel wie z.B. Ipecacuanha, Oleander oder Verbascum, sind in diesem Buch auch einige Polychreste enthalten, allen voran Sulfur. Die Revision solch umfangreicher Arzneimittelprüfungen erfordert beim Quellenstudium und in der Themengruppierung monatelange Vorbereitung. Auch die Hypothesen dieser grossen Mittel lassen sich nicht kurz fassen, was sich wiederum auf die Seitenzahl auswirkt. Deshalb finden sich im vorliegenden Band ausnahmsweise nur 22 Kapitel.

Das Gedankengut, welches von Alfonso Masi-Elizalde in die Homöopathie eingebracht wurde, bewährt sich in unseren Praxen nach wie vor als sinnvolles und hilfreiches Werkzeug. Kasuistiken und Mittel entlang der von Masi vorgeschlagenen Fragestellungen zu analysieren, ermöglicht einen klaren Umgang mit dem manchmal umfangreichen Material einer Anamnese, respektive einer Liste von Prüfungssymptomen.

Unsere Wertschätzung gilt nebst dem besonders der Miasmen-Theorie, die Masi-Elizalde entwickelt hat. Die miasmatische Dynamik, die er postulierte, bestätigt sich in unseren Beobachtungen zunehmend.

Kurz gefasst geht es darum, dass jeder Mensch einen "Makel" – oder wie wir es nennen – einen individuellen "Knick in der Optik" in sein Leben mitbringt. Masi bezeichnet dies als Primäre Psora, was dem Hahnemann'schen und später vor allem dem Kent'schen Gedanken der Psora als "Beschmutzung" oder "Ursünde" entspricht.
Neu an Masi-Elizaldes Theorie ist nun, dass er die Reaktion des Menschen auf diese Primäre Psora im Bereich einer Urangst, eines ursprünglichen, individuell gefärbten Leidens beobachtet. Er nennt diesen Bereich Sekundäre Psora, (bei Hahnemann nur "Psora"). Die kompensatorische Reaktion auf dieses Leiden bezeichnet Masi als Tertiäre Psora, welche er unterteilt in Egotrophie (eine Hypertrophie des Egos, sie entspricht bei Hahnemann der Sykosis), Egolyse (Flucht) und Alterolyse (Angriff). Hahnemann ordnet die beiden lytischen Haltungen der Syphilis zu.

Unserer Erfahrung nach wirken homöopathische Mittel solcherart regulierend auf den Menschen ein, dass er weder in Ängsten gefangen ist, noch in einer ausschliesslich egotrophen oder lytischen Haltung erstarrt. Als "gesund" betrachten wir also jemanden, der sich angepasst an die jeweilige Lebenssituation und frei durch die verschiedenen miasmatischen Phasen bewegen kann. So wären z.B. Angst und Trauer (sekundär-psorische Reaktionen) nach einem Todesfall im engeren Umfeld angemessen – sogar ein zeitweiliges Absinken in egolytische Depression ist hier vorstellbar. Hingegen tritt man der Herausforderung eines öffentlichen Auftritts vielleicht besser etwas egotroph entgegen.

All diese Vorgänge bewegen sich im Bereich der Psyche. Um so verblüffter – und erfreuter! – waren wir über eine Sendung des Schweizer Fernsehens, in der sich eine offensichtliche Bestätigung dieser Prozesse von naturwissenschaftlicher Seite her zeigte. Es ging in "Format NZZ" vom 26.6.2005 um die Homöopathie, den Nachweis ihrer Wirksamkeit, ihre Anhänger- und Gegnerschaft, usw. – man kennt diese Art kritischer Auseinandersetzung.
Stephan Baumgartner, Physiker am KIKOM (Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin der Universität Bern) berichtete in dieser Sendung über einen Versuch mit Erbsen und homöopathisch potenzierten Wachstumshormonen. Er wollte der Wirksamkeit homöo-pathischer Substanzen auf die Spur kommen.

Zitat aus dem Filmtext:
Bevor sie eingepflanzt werden, lässt er die Samen während 24 Stunden quellen – die einen in unbehandeltem Wasser, die andern in Wasser mit homöopathisch potenzierten Wachstumshormonen.
Bereits nach vier Tagen sind erhebliche Unterschiede im Wachstum zu sehen. In früheren, bereits ausgewerteten Versuchen konnte das Blattvolumen der Erbsen mit Hilfe von homöopathischen Potenzen um bis zu 20% erhöht werden.
Statement Stephan Baumgartner:
«Das interessante Phänomen war, dass wir tatsächlich beobachten konnten, dass sie eben nicht wie ein Dünger wirken, das heisst, dass einfach alle Pflanzen im Wachstum gefördert werden, sondern dass man wie eine Art ausgleichende Wirkung hat, bis zu einem gewissen Grad sogar eine intelligente Wirkung in dem Sinn, als dass in so einem Pflanzenkollektiv die kleinen Pflanzen besonders stark gefördert werden, währenddem die Grossen nicht gefördert werden im Wachstum, sondern sogar etwas gehemmt werden.»

Für uns ist dies ein ins Auge springender Beweis für die ausgleichende Wirkungsweise der Homöopathie. Dass einen die weissen Kügelchen stärken – quasi das Wachstum fördern – ist ja inzwischen Volkswissen. Es gibt aber auch eine homöopathische Reaktion, bei der sich eine verfestigte Egotrophie löst – d.h. überschiessendes Wachstum gehemmt wird. Dadurch kann der Patient in eine Lebenskrise und so schliesslich wieder ins Gleichgewicht gelangen. Diese Erkenntnis verdanken wir Masi-Elizalde und seinem Postulat einer Miasmatischen Dynamik.

Wer sich näher mit diesem Gedankengut befassen möchte, sei auf unsere Fachartikel und die Einleitung zum Band 1 dieser Buchreihe verwiesen. Näheres unter www.homiz.ch

Ein weiteres Ergebnis der obigen Versuchsreihe ist über die "Masi-Parallelen" hinaus so interessant, dass wir es abschliessend zitieren möchten:
Stephan Baumgartner hat sich vor allem mit einem physikalischen Erklärungsmodell befasst, das auf der Cluster-Theorie aufbaut. Wird Salz in Wasser aufgelöst, gruppieren sich die Wassermoleküle um die Salzkristalle. Ähnliche Cluster bilden sich bei homöo-pathischen Lösungen – und sie bleiben, so die ursprüngliche Theorie, auch bei starker Verdünnung erhalten. Statement Stephan Baumgartner:
«Das Erstaunliche ist, und das war für mich auch überraschend, selbst als Physiker, dass es nun genau in die andere Richtung geht. Nämlich dergestalt, dass wir keine stabilen Cluster finden bei den homöopathischen Potenzen, in den untersuchten Lösungen. Sondern eigentlich das Gegenteil, nämlich eine Dynamisierung dieser Bewegungen. Also man darf sich diese Cluster nicht zu statisch vorstellen, denn die gruppieren sich millionenfach in der Sekunde um und neu. Und gerade diese Bewegung scheint durch die homöopathische Potenzierung intensiviert zu werden. Also man misst so etwas wie eine Art höheren Energiezustand, den wir aber noch nicht genau erfassen können.»




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